Martin Walser liest aus seinem neuen Roman „Ein sterbender Mann“

Das Bayreuther Leselust-Festival  bekommt noch einen Zusatztermin. Aber nicht irgendeinen: Am 27. April kommt einer der wichtigsten und bekanntesten deutschen Schriftsteller nach Bayreuth: Martin Walser liest im Evangelischen Gemeindehaus aus seinem gerade erschienenen Roman „Ein sterbender Mann“.

„Die Lesereise Walsers wurde recht kurzfristig geplant. Wir haben spontan angefragt, und Martin Walser hat uns sofort zugesagt“, sagt Leselust-Organisator Manuel Kraus von der Agentur Motion. „Umso mehr freuen wir uns jetzt darauf, ihn im April in Bayreuth begrüßen zu dürfen. Der 88-jährige Martin Walser ist einer der letzten verbliebenen aus der Generation der großen deutschen Nachkriegsschriftsteller.“

Martin Walser wurde 1927 in Wasserburg geboren und lebt in Überlingen am Bodensee.  Für sein literarisches Werk erhielt er zahlreiche Preise, darunter 1981 den Georg- Büchner-Preis und 1998 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels. Schon Walsers erster Roman „Ehen in Philippsburg“, erschienen 1957, wurde ein großer Erfolg. Seit 1953 war Walser regelmäßig zu den Tagungen der Gruppe 47 eingeladen worden. Sein 2002 erschienener Schlüsselroman „Tod eines Kritikers“ über Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki sorgte für Aufruhr in der Kulturszene. Sein neuester Roman „Ein sterbender Mann“ erschien im Januar 2016.

2015 wurde er mit dem Friedrich-Nietzsche-Preis für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Er lieferte sich immer wieder politische und ästhetische Kontroversen mit Günter Grass und Marcel Reich-Ranicki.

In seinem neuen Roman „Ein sterbender Mann“ wird Theo Schadt, 72, Firmenchef und auch als „Nebenherschreiber“ erfolgreich, verraten, und das ausgerechnet von Carlos Kroll, seinem engsten und einzigen Freund, einem Dichter. Beruflich ruiniert, sitzt Theo Schadt jetzt an der Kasse des Tangoladens seiner Ehefrau in München. Weil er glaubt, er könne nicht mehr leben, meldet er sich in einem Online-Suizid-Forum an, um Antworten von Menschen zu bekommen, die Ähnliches erfahren haben. Das gemeinsame Thema: der Freitod. Eines Tages, er wieder an der Kasse, löst eine Kundin bei ihm eine Lichtexplosion aus. Seine Ehefrau glaubt, es sei ein Schlaganfall, aber es waren die Augen dieser Kundin, ihr Blick. Also schreibt er ihr – jede E-Mail der Hauch einer Weiterlebensillusion. Und nach achtunddreißig Ehejahren zieht er zu Hause aus. Sitte, Anstand und Moral – das gilt ihm nun nichts mehr. Doch dann muss er erfahren, dass sie mit dem Mann, der ihn verraten hat, in einer offenen Beziehung lebt. Ist sein Leben “eine verlorene, nicht zu gewinnende Partie“?

Walsers neuer Roman über das Altsein, die Liebe und den Verrat ist beeindruckend gegenwärtig, funkelnd von sprachlicher Schönheit und überwältigend durch seine beispiellose emotionale Kraft.

Das Leselust-Festival wird unterstützt vom Nordbayerischen Kurier und der VR Bank Bayreuth. Die Lesung mit Martin Walser findet in Kooperation mit dem Evang. Bildungswerk Bayreuth statt.